Skofi Album Cover

Skofi – Halt Mich Fest: Das Album, das nicht so tut, als wäre alles in Ordnung

„Und ich bin so bei mir, wie lang' nicht mehr und das’s der beste Trip.“ Dieser eine Satz aus dem Titeltrack ist mir beim Hören sofort hängen geblieben. Nicht, weil er besonders laut geschrien wird oder sich als platter Instagram-Spruch anbietet. Sondern weil er ein Gefühl beschreibt, das wir wahrscheinlich alle schmerzhaft gut kennen: Dieses schleichende Gefühl, sich selbst irgendwo auf dem Weg verloren zu haben. Irgendwo im ewigen Spagat zwischen Erwartungen, Beziehungen, dem ganz normalen Alltagschaos und den permanenten Katastrophenmeldungen auf Social Media. Mit dem zweiten Album Halt Mich Fest bricht die Wiener Musiker*in Skofi genau diese Gedankenspiralen radikal auf.

Kein Platz für glattgebügelte Hochglanzfassaden

Ich habe oft das Gefühl, dass viele Pop-Alben aktuell nur zwei Extreme kennen: Entweder flüchten sie sich in kompletten, weichgespülten Eskapismus oder sie versinken so tief im unnahbaren Weltschmerz, dass man gar nicht mehr durchblickt. Halt Mich Fest verweigert sich diesem Schwarz-Weiß-Denken komplett. Auf der Platte dürfen widersprüchliche Gefühle verdammt noch mal nebeneinander existieren. Überforderung trifft auf Hoffnung, Wut auf plötzliche Leichtigkeit, und das schmerzhafte Loslassen paart sich mit dem dringenden Wunsch, festzuhalten.

Genau diese Ambivalenz macht die Platte so unfassbar nahbar. Skofi versucht nicht, uns billige Antworten als Lebensratgeber zu verkaufen. They nimmt uns stattdessen ungeschönt mit durch die eigenen Zweifel und Beziehungsphasen – bis in jenen Momenten, in denen plötzlich wieder das Licht durch die Wolken bricht.

Selbstreflexion nach einem monumentalen Intro

Nach einem epischen, monumentalen Intro fackelt der eigentliche Opener „Ich mag's“ gar nicht lange und gibt die Marschrichtung der sage und schreibe 20 Tracks starken LP direkt vor:

„Ich mag's mit mir selbst Geheimnisse zu haben und ich mag's, dass ich mich manchmal auch heimlich hinterfrage.“

Man muss bei dieser Zeile unwillkürlich schmunzeln, weil das permanente Hinterfragen in unserer Leistungsgesellschaft oft als Schwäche oder Instabilität ausgelegt wird. Bei Skofi – als Rapper*in, Sänger*in, DJ und Produzent*in ohnehin ein absolutes Multitalent – wirkt das eher wie eine Superkraft. Es zeigt, dass da jemand neugierig auf die eigenen Prozesse geblieben ist. Musikalisch wird diese Selbstreflexion übrigens nicht in schwermütigen Akustik-Kitsch verpackt, sondern von Produzent Philipp Mülleder auf einen digitalen, nach vorne gehenden Jersey Club Beat gelegt. Skofi redet nicht länger um den heißen Brei herum, sondern legt lyrisch die Karten auf den Tisch.

Schonungslose Ehrlichkeit und echte Wut

Was mich an der Platte besonders abholt, ist die Tatsache, dass Skofi sich auch den Raum für echte Wut nimmt. Es geht hier eben nicht nur um das klassische, intime Trennungsalbum oder eine verspätete Coming-of-Age-Erzählung. In Tracks wie „Glas“, „Welt (Skit)“ oder dem abschließenden „20er“ verhandelt Skofi als independent FLINTA*-Artist auch den alltäglichen Struggle in einer oft immer noch verkrusteten Musikindustrie und das aktuelle Weltgeschehen.

Das Album atmet eine wunderbare, spürbare Unabhängigkeit. Nach dem starken Debüt „Lass Mich Los“ von 2023 und fetten Kollaborationen – wie zuletzt mit der Wiener Rap-Kollegin Donna Savage – merkt man einfach, wie sehr Skofi den ganz eigenen Vibe zwischen Oldschool-Hip-Hop, House, Garage und Drum & Bass perfektioniert hat. Das Sounddesign, das zusammen mit alten Wegbegleitern wie Skyfarmer oder wink182 und neuen Freunden wie mnphb geschraubt wurde, ist absolut State of the Art.

Und verdammt noch mal: Es darf getanzt werden

Bei all den schweren, ehrlichen Themen hätte die Platte im falschen Gewand schnell erdrückend werden können. Doch genau hier zeigt sich Skofis ganzes Handwerk: Zwischen den verletzlichen, tiefgreifenden Momenten – wie dem starken Feature-Track „Mehr“ gemeinsam mit BACARDY – platziert they immer wieder absolute Clubhits und leichtfüßige Vibechecks. Songs, die einen komplett aus dem Kopf holen und direkt auf die Tanzfläche zerren.

Diese Dynamik spiegelt am Ende genau das wider, was dieses Album so stark macht: Es fühlt sich nicht an wie eine konstruierte Therapie-Session, sondern wie das echte Leben. Manchmal chaotisch, manchmal laut, manchmal todtraurig, aber im nächsten Moment eben auch wieder verdammt schön. Skofi muss nicht perfekt wirken – diese schonungslose Ehrlichkeit ist genau der frische Wind, den Deutschrap und Pop aktuell so dringend brauchen.

Tracklist: Halt Mich Fest

  • Ich mag’s (Prod. Philipp Mülleder)
  • Wind (Prod. David Wöhrer)
  • Solo (Prod. Roman Himmelbauer / Skyfarmer)
  • Gegen die Wand (Prod. Roman Himmelbauer / Skyfarmer)
  • Wohin? (Prod. Roman Himmelbauer / Skyfarmer)
  • VIP (Prod. Christoph Ertl / Christoh)
  • Vertigo (Prod. Nicolas Winkler / wink182)
  • DNA (Prod. Nicolas Winkler / wink182)
  • Glas (Prod. Roman Himmelbauer / Skyfarmer)
  • Windschutz (Prod. Nicolas Winkler & Roman Himmelbauer)
  • Graue Wolken (Prod. Philipp Mülleder)
  • Welt (Skit) (Prod. Maximilian Walch / MNPHB)
  • Lauf Los (Prod. Philipp Mülleder)
  • Stoßluft (Prod. Nicolas Winkler / wink182)
  • Mehr feat. BACARDY (Prod. Roman Himmelbauer / Skyfarmer)
  • Zeichentrack (Prod. Roman Himmelbauer / Skyfarmer)
  • Vereinbart (Prod. Roman Himmelbauer / Skyfarmer)
  • Wolf (Prod. Roman Himmelbauer / Skyfarmer)
  • Frühling kommt (Prod. Philipp Mülleder)
  • 20er (Prod. Philipp Mülleder)

Die harten Fakten zur Platte:

  • Release: Freitag, 12. Juni 2026

  • Format: Edle Doppelvinyl & digital

  • Label/Vertrieb: Skofs Records / DistroKid

  • Mix & Mastering: Max Walch

  • Album Cover Fotografie: Lea Horsten

Für mich steht fest: Wer intelligenten, ehrlichen Pop-Rap mit elektronischer Kante sucht, kommt an diesem Release nicht vorbei. Das Album läuft bei mir im Juni definitiv auf Heavy Rotation!

Fotocredits: Lea Horsten

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