Pablo Brooks

PABLO BROOKS – „LOVER IN THE DARK“ TUT WEH (UND DAS IST ABSOLUT SO GEWOLLT)

Kennst du diese Songs, die plötzlich Erinnerungen hochspülen, von denen du dachtest, sie wären längst tief vergraben? Nicht mal unbedingt die eigenen Erlebnisse, sondern vielmehr dieses Gefühl von damals. Eine ganz bestimmte Stimmung, ein Flashback – und plötzlich bist du wieder voll drin.

Genau so hat mich „Lover in The Dark“ von Pablo Brooks erwischt. Ich konnte mit Pablo Brooks ein intensives Interview über genau diesen Song führen. Hier geht es direkt zum großen Deep Dive!

Mit dem Track liefert Pablo Brooks den ersten Vorboten für das kommende Debütalbum ab und erzählt darin eine Geschichte, die sich erschreckend echt anfühlt. Nicht, weil sie perfekt durchgestylt ist. Sondern weil sie wehtut. Weil sie genau die Wunden aufreißt, die verdammt viele queere Menschen nur zu gut kennen.

Wenn Liebe nur im Dunklen stattfinden darf

„You only love me in the dark.“

Eigentlich reicht diese eine Zeile schon, um das ganze Drama zusammenzufassen.

Pablo Brooks singt über die heimliche Beziehung zu einem heterosexuellen Jungen. Über eine Nähe, die magisch ist – aber eben nur, solange niemand hinsieht. Sobald die Realität an die Tür klopft, ist die Aufmerksamkeit weg.

Beim Hören musste ich sofort an meine eigene Jugend denken. An dieses total verknallte Gefühl, bei dem man tief im Inneren eigentlich schon weiß, dass es nirgendwo hinführt. Man klammert sich an Blicke, die sich plötzlich überlebenswichtig anfühlen. Das Herz hat längst entschieden, während der Kopf schon genau weiß, wie bitter die Story enden wird.

Vielleicht hat mich der Song deshalb so gepackt. Ich habe nicht exakt dieselbe Geschichte erlebt, aber dieses endlose Hoffen kennen wir doch fast alle: Das Warten auf diese eine Nachricht. Das obsessive Interpretieren von winzigen Gesten. Und dieses leise, schmerzhafte Wissen, dass man versucht, Nebel festzuhalten.

Und dann zieht Pablo Brooks dir mit solchen Zeilen den Boden unter den Füßen weg:

„I threw a party for my 21st birthday, asked you to come over and meet my family. You never showed.“

Autsch. Das sitzt. Weil es ab diesem Punkt nicht mehr nur um Herzschmerz geht. Es geht um die fundamentale Frage: Darf ich eigentlich Teil deines Lebens sein – oder bin ich für dich nur ein geheimer Moment?

Die unschönen Seiten queerer Realität

In queeren Storys wird oft das Befreiende zelebriert. Das Coming-out, die erste große Pride, das endlich Ankommen. Und versteh mich nicht falsch: Diese Momente sind wunderschön und wichtig.

Aber es gibt eben auch die andere Seite. Die Geschichten, in denen du dich plötzlich unsichtbar fühlst. In denen du jemanden liebst, der panische Angst davor hat, was die anderen denken könnten. Die Nächte, in denen du alles für jemanden bist – und die Tage, an denen du totgeschwiegen wirst.

Pablo Brooks liefert uns hier keine weichgespülte Lovestory. Pablo Brooks singt von der Unsicherheit, der Sehnsucht und dem verdammt miesen Gefühl, nur die „Kopffreund-Version“ einer Beziehung zu sein. Genau deshalb trifft der Song mitten ins Schwarze.

Melancholie zwischen Schlafzimmer und Tanzfläche

Musikalisch schwebt „Lover in The Dark“ irgendwo zwischen verträumtem Synth-Pop und einer nostalgischen Late-Night-Stimmung. Die Produktion ist riesig, fühlt sich aber trotzdem intim an. Fast so, als stünde man mitten im Club im Dunkeln, während die Welt um einen herum verblasst und man komplett in den eigenen Gedanken versinkt.

Und dann kommt dieser Refrain. Er schreit dich nicht an. Er ist nicht übertrieben theatralisch. Er bricht sich eher Bahn wie etwas, das viel zu lange runtergeschluckt wurde und jetzt einfach raus muss.

Die Songs, die uns gefehlt haben

Pablo Brooks beschreibt, wie sehr das Gefühl, ein Außenseiter zu sein, die eigene Jugend begleitet hat. Popmusik war zwar die Rettung, aber sie wurde selten für Menschen wie uns geschrieben. Also begann er irgendwann, diese Lücken selbst zu füllen. Heute entstehen die Songs komplett in Eigenregie in einer Berliner Wohnung.

Und genau das spürt man. „Lover in The Dark“ klingt nicht nach einem am Reißbrett entworfenen Pop-Hit. Der Song fühlt sich an wie ein Tagebucheintrag, der viel zu lange in der Schublade lag.

Mein Fazit

Ich bin mir sicher: Jede*r, der*die diesen Song hört, wird sofort das Gesicht einer ganz bestimmten Person vor Augen haben.

Jemand, der nie ganz greifbar war.

Jemand, der sich immer nur dann gemeldet hat, wenn es gerade bequem war.

Oder dieses dunkle Gefühl, sich selbst kleiner zu machen, nur damit der andere nicht wegläuft.

Pablo Brooks singt nicht über die perfekten Insta-Momente. Pablo Brooks schreibt über die Dinge, über die wir viel zu oft schweigen. Und ganz ehrlich? Genau davon brauchen wir verdammt noch mal mehr. Mehr Songs, die auch die komplizierten, unschönen Seiten des Lebens erzählen – aber dafür absolut ehrlich sind.

Ich freue mich schon auf das Album. Du auch?

Weiterlesen: Pablo Brooks im exklusiven Gespräch

Weil mich dieser Song so tief bewegt hat, wollte ich es genauer wissen. Ich habe Pablo Brooks mit ein paar sehr persönlichen, ungemütlichen Fragen konfrontiert – und er hat mit einer radikalen Ehrlichkeit geantwortet, die mich absolut umgeblasen hat.  Hier liest du das komplette Interview mit Pablo Brooks zu „Lover in The Dark“

Pablo Brooks

Fotocredits: Pablo Brooks

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