„Brauch kein’ VIP, check’ mir lieber Therapie.“
Mehr muss man eigentlich gar nicht wissen, um zu verstehen, wo Skofi (sie/they) gerade steht. Die neue Single „VIP“ erschien am 22. Mai und klingt nicht nach irgendeinem durchgeplanten nächsten Schritt.
Eher nach: Ich hab lange genug mitgespielt. Jetzt mach ich’s anders. Und das Ganze eingebettet in den chilligsten Sommerhits-Sound, den du dir vorstellen kannst.
Skofi rappt über Verträge, Prozente, Streams und diese ganzen Business-Tipps, die einem wahrscheinlich irgendwann nur noch auf die Nerven gehen. Dieses Gerede darüber, wie man sich verhalten muss, wie man wachsen muss, wie man sichtbar bleiben muss. Als wäre Musik ein Excel-Sheet mit Hook.
Und dann rappt sie diese Zeile:
„Ich hab mein Game im Griff und alle meine Engsten im Team."
Das ist kein großer Flex. Jedenfalls nicht auf diese unangenehme Art. Es klingt eher nach jemandem, der kurz durchgeatmet hat und merkt: Ach so. Ich muss gar nicht jeden Scheiß mitmachen.
Der Beat schiebt, die Wut bleibt locker
„VIP“ hat Wut drin, aber der Song hängt sich nicht daran auf. Der Beat von Christoh ist basslastig, UK-Garage, clubtauglich. Das Ding bewegt sich. Es will nicht nur erklären, es will raus.
Und das macht den Song für mich stärker. Skofi klingt nicht verbissen. Sie klingt genervt, wach, selbstbewusst. So, als hätte sie keine Lust mehr, sich von einer Branche kleinreden zu lassen, die ständig irgendwas von Zahlen erzählt.
Dazu diese Wien-Verweise. Secession, Ottakring, diese kleinen Marker, die sofort einen Ort aufmachen. Kein „Ich schreibe jetzt eine Hymne auf meine Stadt“, sondern eher: Das ist mein Umfeld. Meine Leute. Meine Bewegung.
„Halt Mich Fest“ könnte ziemlich viel aufmachen
„VIP“ ist die letzte Single vor dem Album Halt Mich Fest, das am 12. Juni 2026 erscheint. Und wenn man den Infos zum Album glaubt, wird das keine Platte, die nur eine Stimmung bedient.
Da geht es um Beziehungen, Überforderung, Gedanken, die nicht aufhören, Wut, Schmerz, aber auch wieder um Leichtigkeit. Also eigentlich um ziemlich viel von dem, was man kennt, wenn man nicht ständig so tut, als hätte man alles im Griff.
Gerade das interessiert mich daran. Nicht dieses „jetzt kommt das persönlichste Album“. Das steht in fast jeder zweiten Presseinfo. Sondern die Frage, ob Skofi diese Gegensätze wirklich zusammenbekommt: Club, Kopfchaos, Wut, Nähe, Loslassen.
Nach „VIP“ glaube ich: könnte klappen.
Weil der Song eben nicht perfekt sauber wirkt. Er hat Kante. Er hat Laune. Und er sagt ziemlich klar: VIP-Bändchen könnt ihr behalten.
Fotocredits: Nika Holub
