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Reeperbahn Festival 2026: Forever legit? Die Zukunft klingt vielfältig

Über 300 Acts, vollgepackte Stages und mehr als 170 FLINTA-fronted Line-ups. Das Reeperbahn Festival stellt dieses Jahr die Frage „Forever Legit?“. Für mich liegt ein Teil der Antwort schon im Programm. Diversität taucht hier nicht irgendwo am Rand auf, sondern zieht sich ziemlich selbstverständlich durch diese vier Tage.

Vom 16. bis 19. September wird St. Pauli wieder zum Reeperbahn Festival. Vier Tage Live-Musik, Conference, Panels und natürlich wieder viel zu viele Konzerte, die gleichzeitig stattfinden.

Ich habe mich durch den Timetable gearbeitet und mindestens 20 Acts rausgesucht, die einen Bezug zur LGBTQIA+-Community haben und die ich gerne sehen und hören möchte. Das soll keine Statistik darüber sein, wie queer das Reeperbahn Festival 2026 ist. Es ist mein persönlicher Laufplan. Und der ist jetzt schon viel zu voll.

Das diesjährige Motto „Forever Legit?“ passt dazu ziemlich gut. Wer bestimmt eigentlich, was in der Musik relevant ist? Wer bekommt die guten Slots und großen Bühnen? Wer sitzt mit am Tisch, wenn Entscheidungen getroffen werden? Und wer hat Zugang zu den Netzwerken, die in dieser Branche immer noch ziemlich wichtig sind?

Die Antworten darauf findet man nicht nur in den Panels der Conference. Man findet sie auch im Timetable.

20 Stimmen, vier Tage und sehr viel Vorfreude

Beim Reeperbahn Festival ist für mich die Spielstätte fast genauso wichtig wie die Uhrzeit. Ein Konzert im Festival Village ist etwas völlig anderes als eines im Turmzimmer, im Kaiserkeller oder nachts bei Angie’s. Deshalb gehören die Venues für mich unbedingt mit in diesen Laufplan.

Mittwoch, 16. September

ZeitProgrammpunkt / ActSpielstätte
15:00–16:00 Uhr„In a Sharktank of Gatekeepers“ (Eintritt frei)St. Pauli Fanshop
18:15–18:45 UhrREMOTE BONDAGEFestival Village, fritz-kola Bühne
19:05–19:45 UhrLauren AuderNochtspeicher
23:00–23:30 UhrSir Bradley25 Club
23:20–00:20 UhrREMOTE BONDAGE (Zweites Set)Stage 15
00:15–00:35 UhrMya MehmiMojo Club, Mojo Jazz Café

Der Mittwoch startet für mich mit REMOTE BONDAGE, queerfeministischem Punk und gleich zwei Chancen, die Band zu sehen. Dazwischen steht Lauren Auder im Nochtspeicher auf meinem Zettel, später geht es mit Mya Mehmi und Sir Bradley Richtung Nacht.

Eigentlich ein ganz entspannter erster Tag. Also nach Reeperbahn-Festival-Maßstäben.

Donnerstag, 17. September

ZeitActSpielstätte
15:15–15:45 UhrA MessFestival Village, fritz-kola Bühne
16:30–17:00 UhrLIONSTORMMolotow Top Ten Bar
19:30–20:00 UhrJashimUWE
21:30–22:15 UhrREDD.Stage 15
23:10–00:10 UhrA Mess (Zweites Set)Pooca Bar
23:30–00:15 UhrCULKUebel & Gefährlich, Turmzimmer
23:45–00:25 UhrBIG WETTMojo Club
23:55–00:40 UhrLIONSTORM (Zweites Set)Schmidts Tivoli, Angie’s

Donnerstag wird schwieriger. REDD bringt transmaskuline Perspektiven in den Hip-Hop, bei Jashim treffen Pop, nichtbinäre Identität und diasporische Geschichte aufeinander. CULK beschäftigt sich mit Geschlechterrollen, BIG WETT verspricht Camp und dann wären da auch noch A Mess und LIONSTORM.

Spätestens ab 23:30 Uhr kann ich mich entscheiden, ob ich mich vierteile oder akzeptiere, dass man beim Reeperbahn Festival eben nicht alles sehen kann.

Ich kenne mich. Wahrscheinlich versuche ich trotzdem, alles zu sehen.

Freitag, 18. September

ZeitActSpielstätte
14:00–14:30 UhrREDD. (Zweites Set)Molotow Top Ten Bar
15:00–15:30 UhrJamaica MoanaMolotow Top Ten Bar
16:30–17:00 UhrBIG WETT (Zweites Set)Molotow
19:50–20:30 UhrDream WifeDocks
22:00–22:40 UhrVoxtrotKnust
22:35–23:20 UhrVienna ViennaMolotow
23:05–00:05 UhrTR/STUebel & Gefährlich

Am Freitag lohnt es sich, früh im Molotow zu sein. Erst REDD, dann Jamaica Moana, deren Musik Rap, Ballroom und Māori-/samoanische Roots zusammenbringt, und anschließend BIG WETT.

Abends wird es dann wieder unangenehm für meinen Timetable: Dream Wife, Voxtrot, Vienna Vienna und TR/ST.

Riot Grrrl, Glimmer Rock, dunkler Synthpop. Ich beschwere mich nicht. Ich muss nur irgendwie von A nach B kommen.

Samstag, 19. September

ZeitActSpielstätte
19:30–20:15 UhrXOXO.St. Pauli Fanshop
19:40–20:10 UhrsiovoKaiserkeller
23:00–00:00 UhrBaran KokUebel & Gefährlich
23:15–00:00 UhrMaiah ManserBahnhof Pauli
23:30–00:45 UhrPale WavesDocks
00:20–01:00 UhrDream Wife (Zweites Set)Molotow
00:30–01:15 UhrJamaica Moana (Zweites Set)Docks, Prinzenbar

Samstag freue ich mich besonders auf siovo um 19:40 Uhr im Kaiserkeller. Y2K-Indie, Electro-Pop, große Gefühle. Um 23:00 Uhr steht dann Baran Kok im Uebel & Gefährlich auf dem Plan. Sexpositiver Rap, der mit den üblichen Deutschrap-Macho-Klischees nicht besonders viel anfangen kann.

Dazwischen und danach: XOXO., Maiah Manser, Pale Waves und vielleicht noch die zweite Runde Dream Wife oder Jamaica Moana.

Wie viel davon am vierten Festivaltag tatsächlich noch funktioniert, wird sich zeigen.

Was ich an dieser Auswahl mag: Ich muss daraus kein „queeres Sonderprogramm“ basteln. Rap, Punk, Pop, Post-Punk, Ballroom, Indie und Elektronik stehen sowieso nebeneinander. Die unterschiedlichen Identitäten und Perspektiven gehören einfach dazu.

FLINTA*-Präsenz ist mehr als eine schöne Zahl

Mehr als 170 FLINTA*-fronted Acts aus 30 Ländern stehen in diesem Jahr im Programm. Darunter Anna von Hausswolff, Mine, HVOB oder Yola.

Die Zahl ist beeindruckend. Interessanter finde ich aber, was danach kommt.

Wer spielt wann? Auf welcher Bühne? Wie werden Artists bezahlt? Wer wird eingeladen, wenn es nicht nur um einen Auftritt, sondern um Kontakte, Kooperationen und die nächsten Schritte einer Karriere geht?

Das FLINTA* Music Force Showcase am Mittwoch im Schmidtchen ist deshalb ein Programmpunkt, den ich im Blick habe. Nach der Reception spielen Charlotte Colace, Mine, lùisa und Miss Marla.

Denn Sichtbarkeit auf der Bühne ist gut. Zugang zu den Strukturen dahinter ist mindestens genauso wichtig.

In a Sharktank of Gatekeepers

Noch bevor am Mittwoch mein Konzertprogramm richtig losgeht, möchte ich um 15:00 Uhr in den St. Pauli Fanshop.

Dort findet bis 16:00 Uhr „In a Sharktank of Gatekeepers: Reclaiming the Music Industry“ statt, powered by GEMA und Ladies&Ladys. Der Eintritt ist frei. Anschließend geht es im Fanshop mit Konzerten bis 21:45 Uhr weiter.

Prof. Dr. Reyhan Şahin, besser bekannt als Lady Bitch Ray, diskutiert dort mit Patrick Mushatsi Kareba, Johanna Bauhus und Amy Kühnlenz über strukturelle Hürden in der Musikindustrie und darüber, wie sie sich verändern lassen.

Das passt für mich ziemlich gut zu „Forever Legit?“. Denn darüber, wer auf einer Bühne sichtbar ist, lässt sich leicht reden. Spannender wird es bei der Frage, wer überhaupt die Möglichkeit bekommt, dort irgendwann zu stehen.

Mentale Gesundheit gehört für mich dazu

Einen großen Conference-Slot, auf dem ausdrücklich LGBTQIA+ steht, gibt es in diesem Jahr nicht. Das finde ich gar nicht schlimm.

Mentale Gesundheit, Neurodivergenz und die Frage, wie eine Karriere in der Musik überhaupt langfristig funktionieren kann, nehmen dafür mehr Raum ein. Und diese Themen lassen sich für mich ohnehin nicht sauber voneinander trennen.

Sichtbarkeit kann großartig sein. Sie kann aber auch bedeuten, ständig bewertet zu werden, Erwartungen erfüllen zu müssen oder sich erklären zu sollen. Deshalb gehören Gespräche über Arbeitsbedingungen, mentale Gesundheit und Schutzräume genauso hierher.

Kunst, Identität und wem eigentlich eine Stimme gehört

Auch abseits der Konzerte gibt es ein paar Sachen, die ich mir markiert habe.

Bei Arts & Word sind das „Shifting Perspectives“ von Keychange und Bona Berlin sowie „Humans in Transit“ zusammen mit Ärzte ohne Grenzen.

Und dann gibt es bei Music Frontiers einen Titel, bei dem ich sofort hängen geblieben bin:

„Wem gehört Deine Stimme? KI im Pop und das Recht auf eigene Identität“

Die Frage dürfte in den kommenden Jahren noch ziemlich unangenehm werden. Stimmen lassen sich inzwischen imitieren, Bilder erzeugen und ganze künstlerische Identitäten nachbauen. Was bedeutet das für Menschen, deren Stimme, Körper und Persönlichkeit Teil ihrer Kunst sind?

Ein Teil von Music Frontiers findet ausgerechnet im Angie’s statt.

Und dieser Ort hat eine Geschichte: Angie Stardust, die den Club 1991 gründete, war eine Schwarze trans Pionierin und Soulsängerin. Dass heute dort über Musik, Identität und Zukunft gesprochen wird, ist zumindest ein schöner Kreis, der sich schließt.

Vier Tage Reeperbahn Festival liegen vor mir. Mein Timetable ist jetzt schon zu voll und spätestens Donnerstag werde ich vermutlich anfangen, sämtliche Pläne wieder über den Haufen zu werfen und mich einfach mit Caro von MUSICSPOTS und Biggy Pop treiben lassen.

Aber genau darauf freue ich mich.

Wir sehen uns auf St. Pauli.

Reeperbahnfestival Schlussbild Village 2025

Fotocredits: QUEERDURCHSLAND music

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