BASH BT ist Sänger und Performer aus Berlin. Bevor er selbst vor Publikum stand, arbeitete er als Make-up-Artist und Art Director mit unterschiedlichen Künstler*innen an deren öffentlichem Bild. Für seinen eigenen Auftritt hat er eine ziemlich klare Vorstellung: „Was du siehst, bin ich.“ Sein Team rät gelegentlich zu etwas Zurückhaltung. Er hört sich das zumindest an.
Mit „OMG“ erzählt BASH BT von einem jungen Mann, der sich in einem Gayclub erstmals frei fühlt. Ein Moment, den er musikalisch als unsicheren Herzschlag beschreibt, bevor der Bass stärker wird und der Körper übernimmt. Der Titel wiederum kommt direkt von den Menschen, die den Text gelesen oder die Demo gehört haben. Ihre häufigste Reaktion: „OMG“. Damit war die Suche offenbar erledigt.
Für QUEERDURCHSLAND music hat BASH BT fünf Fragen beantwortet. Über seine Musik, sein Selbstbild und darüber, was er sich von Musikjournalist*innen wünscht. Seine Fluchtgeschichte gehört zu ihm, aber er möchte über das sprechen, was er heute macht und morgen vorhat. Und beim Thema queerer Support wird er deutlich: Gerade aus der eigenen Community hätte er sich mehr Unterstützung gewünscht. Das sollten wir uns anhören. Hier kommen seine Antworten:
Dein neuer Song heißt „OMG“. Im ursprünglichen Konzept standen auch „SCANDALS“ und „SCHWUL“ zur Auswahl. Warum ist es am Ende „OMG“ geworden und was hat für dich gegen die anderen Titel gesprochen?
Mein Musikproduzent und ich haben gemeinsam entschieden, dass der Song „OMG“ heißen soll. Der Grund dafür war, dass „OMG“ die häufigste Reaktion der Leute war, wenn sie den Text gelesen oder die Demo des Songs gehört haben.
Ich wollte außerdem einen Titel, der den Menschen sehr nah ist. „OMG“ ist ein Ausdruck, den viele Menschen im Alltag benutzen, und genau deshalb hat er für mich sehr gut zum Song gepasst.
Die anderen Titel haben für mich am Ende einfach nicht so gut zum gesamten Song gepasst, deshalb haben wir uns für „OMG“ entschieden.
Die Geschichte zu „OMG“ beginnt mit einem jungen Mann, der sich in einem Gayclub zum ersten Mal frei fühlt. Wenn du diesen Moment ohne eine einzige Textzeile hörbar machen müsstest: Was müsste musikalisch passieren?
Für mich müsste es erst wie ein Herzschlag klingen – etwas unsicher und zurückhaltend. Und dann öffnet sich plötzlich alles: Der Bass wird stärker, der Beat übernimmt den Körper und aus Unsicherheit wird Freiheit. Dieser Moment, in dem du auf der Tanzfläche merkst: Ich muss mich nicht verstecken. Ich darf einfach ich sein
Du hast als Make-up-Artist Looks für andere Menschen gestaltet. Wenn du heute dich für ein Video oder einen Auftritt vorbereitest: Woran merkst du, dass du dich im Spiegel genau so siehst, wie du gesehen werden möchtest?
Durch meine Arbeit als Make-up-Artist und Art Director habe ich über die Jahre mit vielen unterschiedlichen Künstler*innen, Nationalitäten und Images gearbeitet. Dabei habe ich gelernt, wie unterschiedlich Menschen mit ihrem öffentlichen Bild umgehen. Manche sind sehr vorsichtig damit, wie sie wahrgenommen werden, andere trennen ihre private Persönlichkeit ganz bewusst von ihrem Image. Diese Erfahrungen haben mir später als Künstler selbst sehr geholfen.
Bei BASH BT ist es für mich aber ziemlich einfach: Was du siehst, bin ich. Natürlich habe auch ich meine Grenzen, aber die Erwartungen der Gesellschaft sind ehrlich gesagt eines der letzten Dinge, an die ich denke, wenn ich mich ausdrücke. Ich möchte mich so zeigen, wie ich mich in diesem Moment fühle und nicht so, wie andere mich vielleicht gerne sehen würden. „ ich bin, wie ich bin.“ heißt nicht umsonst auch einer meiner Songs.
Ich respektiere und liebe Menschen, aber ich war nie besonders gut darin, einfach zu folgen. Das würde auch nicht zu meiner Persönlichkeit passen. Gleichzeitig habe ich ein großartiges Team, das mir manchmal sagt: „Vielleicht ein bisschen weniger.“ [lacht] Ich akzeptiere das nicht immer sofort, aber am Ende bin ich offen für ihre Perspektive. Genau diese Balance gehört für mich auch zu BASH BT.
Im MANNSCHAFT-Porträt hast du sehr offen über deine Flucht gesprochen. Was möchtest du, dass Musikjournalist*innen dich endlich einmal über deine Kunst fragen, wenn sie deine Geschichte schon kennen?
Ich wünsche mir, dass man mich nicht nur als jemanden wahrnimmt, der nach Deutschland geflüchtet ist, sondern vor allem als das, was ich heute bin: Künstler, Sänger und Performer.
Die Flucht gehört zu meiner Geschichte und natürlich hat sie mich als Mensch geprägt. Damals musste ich das Land verlassen, in dem ich aufgewachsen bin, und diese Erfahrung wird immer ein Teil von mir bleiben. Aber sie liegt in meiner Vergangenheit und ist nicht meine ganze Identität.
Heute bin ich ein deutscher Künstler aus Berlin. Ich mache Musik, stehe auf der Bühne und möchte mit meiner Kunst auch Deutschland repräsentieren. Deshalb würde ich mich freuen, wenn man mich öfter nach meinen künstlerischen Zielen, meinen Visionen und meiner Zukunft fragt, denn für mich ist das heute viel wichtiger als die Frage, woher ich gekommen bin.
Du hast dort auch erzählt, wie wichtig queerer Support für deinen Neuanfang in Berlin war. Was könnten wir als Community ganz konkret tun, damit queere Artists mit Fluchtgeschichte leichter an Auftritte, Kontakte und bezahlte Jobs kommen?
Wenn ich ehrlich bin, war meine erste Zeit in Berlin nicht einfach. Ich möchte nicht sagen, dass ich gar keine Unterstützung aus der Community bekommen habe, aber rückblickend hätte es definitiv viel mehr sein können.
Im Alltag war ich zum Glück sehr selbstständig. Ich spreche mehrere Sprachen und konnte mir dadurch vieles selbst aufbauen. Deshalb war ich nicht unbedingt auf Unterstützung angewiesen. Als Sänger und Künstler hatte ich allerdings gehofft, innerhalb der queeren Community mehr Support zu erfahren, gerade weil ich selbst Teil dieser Community bin und meine Kunst auch sehr viel mit ihr verbindet.
Umso enttäuschender war es für mich, dass ein großer Teil der Unterstützung, die ich auf meinem Weg bekommen habe, tatsächlich von Menschen außerhalb der Community kam. Das finde ich bis heute ein bisschen schade.
Vielleicht können wir genau da ansetzen: Queere Artists nicht nur feiern, wenn sie bereits erfolgreich sind, sondern ihnen früher Türen öffnen, sie miteinander vernetzen, ihnen Auftritte ermöglichen und ihre Arbeit auch fair bezahlen.
Am Ende möchte ich aber nicht nur als „queerer Artist“ gesehen werden. Ich bin Sänger und Performer und mache Musik für alle Menschen – unabhängig davon, welcher Community sie angehören.
Support darf nicht auf den Durchbruch warten
In meiner letzten Frage steckte eine Annahme, die BASH BT ziemlich deutlich korrigiert hat: dass die queere Community ihn bei seinem Neuanfang selbstverständlich aufgefangen hätte. Seine Antwort zeigt, wie groß der Abstand zwischen unserem Anspruch und der Erfahrung eines einzelnen Menschen sein kann. Wir sprechen gern von Zusammenhalt. BASH BT hätte sich davon als Künstler mehr gewünscht.
Dabei macht uns doch genau das aus: dass wir uns finden, zusammenarbeiten und gegenseitig unterstützen. Dafür müssen wir voneinander wissen und Kontakte auch weitergeben. Kennt ihr jemanden, der Veranstaltungen organisiert? Bringt Menschen miteinander ins Gespräch. Habt ihr einen Song entdeckt, den ihr feiert? Teilt ihn, erzählt euren Freund*innen davon oder nehmt sie zum Konzert mit. Wer eine Bühne zu vergeben hat, kann auch Artists buchen, die noch keine große Reichweite mitbringen und sie vernünftig bezahlen. Niemand muss alles leisten. Aber auf den Erfolg zu warten, bevor wir jemanden unterstützen, hilft beim Weg dorthin herzlich wenig.
Genau deshalb gibt es QUEERDURCHSLAND music. Ich möchte, dass ihr hier queere Artists entdeckt, die euch bisher vielleicht noch nicht begegnet sind. Dass ihr ihre Musik hört, ihnen folgt und weitererzählt, was euch gefällt. Und dass daraus Verbindungen entstehen: zwischen Artists, Musikfans und Menschen, die Auftritte ermöglichen können. Wir müssen uns vernetzen und gegenseitig supporten. Auch dann, wenn wir musikalisch nicht alle denselben Geschmack haben.
Danke, BASH BT, für deine Antworten und dafür, die Annahme in meiner Frage nicht einfach stehen zu lassen.
Fotocredit: Aron, BASH BT
