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Billie Bird: Liebe darf auch ohne Drama auskommen

Dass Liebe wehtun muss, haben uns Liebeslieder nun wirklich lange genug erzählt. Billie Bird beschäftigt sich auf ihrem zweiten Album „La lumière sans fin des étés“ damit, wie es anders gehen könnte. Die Schweizer Songwriterin interessiert sich für Zuneigung, auf die man sich verlassen kann. Für Beziehungen, in denen Sanftmut kein Verdacht auf Langeweile ist. Und sie zählt Freundschaft und Community ganz selbstverständlich dazu.

Am 9. Oktober 2026 erscheint das Album bei Mouthwatering Records. Acht Songs auf Französisch, Spanisch und Englisch, musikalisch zwischen Indie-Folk und Pop. Der Titel bedeutet übersetzt etwa „Das endlose Licht der Sommer“. Billie Bird hat dafür über ihren engsten Kreis geschrieben, über Trennungen und über die Frage, was Menschen zusammenhält, wenn die erste Aufregung vorbei ist.

In „L’amour ça fait mal“, also „Die Liebe tut weh“, begegnet sie dem Liebesdrama mit Verspieltheit. „Soledad“ formuliert dagegen einen Anspruch an Beziehungen: Gewaltlosigkeit, Sanftmut und Beständigkeit. Klingt eigentlich nach einer vernünftigen Grundlage. Dass man diese Dinge trotzdem ausdrücklich einfordern muss, dürfte einigen Menschen bekannt vorkommen.

Wer gehört zu deiner Familie?

Mit „QQNEX“ widmet Billie Bird ihren Liebsten und der queeren Community einen eigenen Song. Der Titel ist eine inklusive Kurzform des französischen Wortes für „jemand“. Laut Albuminfo greift das Stück auch Parolen auf, die auf Pride-Demonstrationen zu hören sind. Damit reicht der Blick über private Beziehungen hinaus zu einer Gemeinschaft, die füreinander einsteht.

Für mich ist das ein besonders interessanter Teil dieser Platte. Wer zur eigenen Familie gehört, entscheidet sich für viele von uns auch daran, wo wir mit unserer Identität willkommen sind. Freund*innen übernehmen Aufgaben, die sonst der Herkunftsfamilie zugeschrieben werden. Sie begleiten Trennungen, bieten ein Sofa an oder gehen mit zum CSD. Wenn Billie Bird Familie, Freundschaft und romantische Bindungen zusammendenkt, lässt sich darin auch die Erfahrung von Wahlfamilie lesen.

Billie Bird selbst wuchs in Pflegefamilien auf. Eine andere Spur ihrer Herkunft verfolgt „Je me rappelle de tout“: Der Song beschäftigt sich mit ihrer spanischen Familiengeschichte, der Inhaftierung ihres Großvaters unter Franco und dem Exil.

Diese Geschichte gehört ebenfalls auf ein Album über Zugehörigkeit.

Eigentlich nur kurz Fotos machen

Geschrieben und komponiert hat Billie Bird die Songs analog in ihrem Studio in Lausanne. Produziert wurde das Album in Zürich gemeinsam mit dem Schlagzeuger und Multiinstrumentalisten Domi Chansorn.

Ihre enge Freundin Daniela, bekannt als Odd Beholder, wollte dort eigentlich die Studioarbeit fotografieren. Dann stand sie selbst hinter dem Mikrofon. Auf „2361 nuits“ ist sie als Sängerin zu hören; außerdem steuerte sie Gitarre zum Album bei. Der Plan war offenbar: kurz Fotos machen. Dass daraus eine musikalische Zusammenarbeit wurde, passt zu einer Platte, auf der Freundschaft so viel Raum bekommt.

Auch Adrianne Lenker hat einen Platz auf dem Album. Billie Bird widmet „pas BCP mais TJS“ deren Song „Not a Lot, Just Forever“. Die Titel liegen nah beieinander: nicht viel, aber immer. Darin steckt ziemlich genau der Anspruch, den Billie Bird für dieses Album beschreibt. Die Intensität einer Liebe sagt schließlich noch wenig darüber aus, ob man gut miteinander umgeht.

Mit „Mes bras vous tiennent“ endet die Platte bei einer Geste der Zuwendung. „Meine Arme halten euch“, lässt sich der Titel übersetzen. Bemerkenswert ist dabei schon die Mehrzahl: Dieses Liebesalbum hat auch die Freund*innen und die eigene Community im Arm.

Billie Birds Album „La lumière sans fin des étés“ erscheint am 9. Oktober 2026 bei Mouthwatering Records.

Fotocredit: Julie Folly

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