Warum ich bei less hängen geblieben bin
Manchmal passiert das einfach. Du hörst irgendwo einen Song und merkst sofort, dass da mehr ist. Nicht dieses „joa, ganz nett“, sondern eher so ein inneres „Moment mal“.
So ging es mir bei less.
Ich kann gar nicht genau sagen, welcher Song es war oder wann genau dieser Moment kam. Aber ich weiß noch, wie sich das angefühlt hat. Als würde sich da etwas öffnen. So ein kleiner Spalt, durch den plötzlich ganz viel durchkommt. Gefühl, Haltung, Energie.
Und genau das hat mich nicht mehr losgelassen.
Musik, die nicht geschniegelt sein will
Virgin Stripper ist keine EP, die dich freundlich abholt und dir sagt, wo es langgeht. Eher im Gegenteil.
Die Songs wirken manchmal, als würden sie dich erst kurz anschauen und dann einfach loslaufen. Und du kannst entscheiden, ob du mitgehst oder stehen bleibst.
Ich bin mitgegangen.
Was ich daran mag, ist dieses Drama. Dieses in Bewegung sein. Da ist nichts geschniegelt oder glattgezogen. Vieles fühlt sich roh an, kämpferisch wild, aber genau das macht es ehrlich.
Soundmäßig passiert da einiges. Hyperpop, New Wave, Indiepop, zwischendurch fast technoid. Aber ganz ehrlich: Diese Begriffe helfen nur bedingt. less klingt vor allem nach less.
Dieses Spiel mit Blicken
Eine Zeile im Song Eyes On Me ist mir direkt hängen geblieben:
„I love to shamelessly pander to the gaze of whoever happens to stare.“
Da steckt so viel drin. Dieses Spielen mit Blicken, mit Erwartungen, mit dem, was andere sehen wollen. Und gleichzeitig dieses bewusste Drehen davon.
Das zieht sich für mich durch die ganze EP. Dieses Gefühl, dass less genau weiß, was passiert, wenn sie sich zeigt und es trotzdem macht. Oder vielleicht genau deshalb.
Der Titel der EP Virgin Stripper passt da perfekt rein. Erst denkt man kurz „hä?“, und dann merkt man, dass genau dieser Widerspruch der Punkt ist.
Zwischen verletzlich und ziemlich klar
Was ich an less wirklich mag, ist diese Mischung.
Da ist etwas sehr Offenes, fast Verletzliches. Und im nächsten Moment kommt eine Klarheit rein, die dich kurz aufrichtet.
Und dann wieder dieser Humor. So ein kleines Augenzwinkern, das genau im richtigen Moment kommt. Nicht, um etwas zu relativieren, sondern eher wie ein „Ich weiß schon, was hier passiert“.
Das fühlt sich für mich sehr ehrlich an.
Live ist das noch viel intensiver
Ich habe less 2024 das erste Mal live erlebt, beim EP Release von Migati im Grünen Jäger. Dort wirkt die Musik nochmal ganz anders.
Nicht geschniegelt, aber sehr nah dran. Laut, ein kleines bisschen chaotisch, viel Bewegung, viel Gefühl. Ein bisschen wie eine Kunstperformance.
Ein Raum, in dem man nicht nur zuhört, sondern auf magische Weise ein Teil davon wird.
Warum ich euch das hier erzähle
Ich schreibe hier über Dinge, die ich fühle. Und less ist genau so ein Fall. Das ist keine Musik, die ich euch hinlege und sage „das müsst ihr jetzt feiern“. Vielleicht versteht ihr die Musik nicht sofort. Aber vielleicht passiert genau das Gegenteil.
Ich hoffe ihr hört ein zweites Mal hin.
Vielleicht bleibt ein Song hängen.
Vielleicht merkt ihr plötzlich, dass da etwas ist.
Und genau darum geht es mir.
Warum das wichtig ist
less steht für viele Künstler*innen, die gerade irgendwo anfangen. Die ihren Sound suchen, ihre Haltung zeigen und sich nicht glattziehen lassen wollen.
Und genau da passiert oft das Spannendste.
Aber das sieht man nur, wenn man hinschaut.
Fazit
Ich mag Virgin Stripper, weil die EP nicht versucht, mir zu gefallen.
Sie macht einfach ihr Ding.
Und genau das bleibt hängen.
Wenn ihr Lust habt, euch darauf einzulassen, hört rein. Ihr findet die EP auf allen bekannten Streaming-Plattformen
Vielleicht passiert bei euch ja das gleiche wie bei mir.
Fotocredits: Cover – less , Portrait – Katja Ruge
